Jánošíks Räuberjahre 1711–1713: Überfälle, Bande und Beute
Kaum anderthalb Jahre war Juraj Jánošík Räuber. Was die Gerichtsakten über Eid, Überfälle, Beute und Helfer verraten – Schritt für Schritt erzählt.

Juraj Jánošík war nur rund anderthalb Jahre lang Räuber: Um Michaeli (29. September) 1711 schwor er den Räubereid in der Bande von Tomáš Uhorčík, wurde noch vor dem Winter ihr Hauptmann und saß im Frühjahr 1713 vor Gericht. Die Prozessakten nennen rund ein Dutzend Überfälle zwischen Žilina und der Hohen Tatra – auf Kaufleute, Adlige, einen Goldschmied, eine Offizierswitwe. Die Beute bestand vor allem aus Tuch, Kleidung, Waffen, Ringen und kleinen Geldbeträgen.13
Was wir über diese Jahre wissen, stammt fast vollständig aus einer einzigen Quellengruppe: dem Protokoll des Liptauer Komitatsgerichts vom 16. und 17. März 1713, den Fragen des Komitats Trenčín und der Abschrift seines Verhörs unter der Folter. Es ist die Sicht der Ankläger und das, was ein Gefangener zugab – teils freiwillig, teils unter Schmerzen. Ein Tagebuch, Briefe oder Augenzeugenberichte der Opfer gibt es nicht.13 Mit diesem Vorbehalt lässt sich die Geschichte der Räuberjahre erstaunlich genau erzählen.
Der Eid um Michaeli 1711
Als Jánošík 1711 Räuber wurde, hatte er bereits ein Soldatenleben hinter sich: erst bei den aufständischen Kuruzen, dann als Wachsoldat der kaiserlichen Seite auf der Burg Bytča. Dort bewachte er unter anderen den gefangenen Räuberhauptmann Tomáš Uhorčík aus Predmier. 1710 kauften ihn seine Eltern aus dem Heer frei.23
Im Herbst 1711 suchte Uhorčík ihn in Terchová auf und warb ihn an. Die Aufnahme in die Bande fiel in die Zeit um Michaeli, den 29. September 1711.3 Der Eid, den die Prozessunterlagen überliefern, verpflichtete den Neuen auf absolute Treue:
Belegt „Prisahám večnému Bohu, Svätej Trojici, Panenke Márii a všetkým božím svätým, že svojich tovarišov nevyzradím, neoklamem a neopustím ani v šťastí ani v nešťastí. Tak mi Pánboh pomáhaj!“ – „Ich schwöre dem ewigen Gott, der Heiligen Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria und allen Heiligen Gottes, dass ich meine Gefährten nicht verrate, nicht betrüge und nicht verlasse, weder im Glück noch im Unglück. So wahr mir Gott helfe!“ (Wortlaut nach den Prozessakten, zitiert nach Melicherčík)3
Ein solcher Schwur war unter den Räubern der Karpaten üblich. Aus Liptauer Akten ist ein Fall belegt, in dem die Männer an einem Sonntag im Wald knieten, zwei Finger auf eine Axt legten und schworen, die Bande nie zu verraten, auch nicht unter der Folter.1
Der erste Zug führte gleich über die Grenze: nach Mähren, wo die Bande Leinwand erbeutete. Wenige Tage später, am 5. Oktober 1711, folgte der erste Überfall, der in den Akten genau datiert ist. Opfer war der Žilinaer Bürger und Kaufmann Ján Šipoš, dem die Räuber Tuch und Leinen abnahmen. Die Ware wurde verkauft; 70 Gulden (zlatých) aus dem Erlös liehen die Räuber Stoliga, einem Schafhirten aus Jablunkov.38 Šipoš selbst sollte Jánošík eineinhalb Jahre später wiedersehen – als Zeuge, dem der Angeklagte vor Gericht gegenübergestellt wurde.3
Uhorčík tritt ab, Jánošík wird Hauptmann
Noch vor dem Winter 1711 änderte sich die Führung der Bande. Uhorčík heiratete die Tochter jenes Jablunkover Hirten Stoliga und ließ sich in Klenovec im Komitat Malohont nieder – unter falschem Namen, als „Martin Mravec“. Jánošík übernahm die Bande.23 In den Akten heißt seine Rolle kapitán, hajtman oder hadnad; das Urteil formuliert, er habe sich zum „vúdcem aneb hajtmanem“ gemacht, zum „Anführer oder Hauptmann“.3
Wie lange er das war, darüber sind sich nicht einmal die Akten einig. Das Urteil sagt, er habe sich „predo dvema roky“, also vor zwei Jahren, auf das Räuberhandwerk verlegt; die Anklage spricht von drei Jahren.3 Gemessen am belegten Eid im Herbst 1711 waren es tatsächlich knapp anderthalb Jahre.
Was ein „Hauptmann“ damals bedeutete, zeigen andere Liptauer Prozesse: Kleine Banden zählten etwa drei, große zehn oder mehr Mitglieder; der Anführer hieß hajtman oder ungarisch hadnagy („Leutnant“), die Mitglieder tovariši, und die Beute wurde in der Regel zu gleichen Teilen geteilt.1 Im Sommer lebten solche Banden im Wald und auf den Almhütten (salaše), im Winter zerstreuten sie sich zu Verwandten und Bekannten.1 Auch Jánošík überwinterte offenbar so: Ondrej Kovalčík aus Kokava versteckte ihn im Winter 1712 drei Wochen lang.314
Ein Raub im November 1711 an Kaufleuten bei Vsetín in Mähren wird in der tschechischen Literatur genannt.9 Ein Beleg mit Aktenzitat fehlt dafür bisher; wir führen ihn deshalb nur als unbestätigte Angabe.
Wer zur Bande gehörte
Eine feste Truppe mit Uniform und Rangliste darf man sich nicht vorstellen. Die Zusammensetzung wechselte, Männer kamen und gingen.3 Aus den Aussagen von Jánošík und Uhorčík lässt sich dennoch eine lange Namensliste gewinnen: Jakub Chlastiak aus Oščadnica; Turiak, genannt Huncaga oder Hunčiak, aus Staškov; Plavčík aus Dunajov; Kováčik alias Moravčík aus Mähren; Vavrek aus Polen; Ondráš Kundis aus Dlhé Pole; ein Ondráš aus Dlhá nad Kysucou; Satora aus Sól in Polen; Bartek aus Predmier; Pavol Gašparec alias Mlynarčík „Zradovský“; Orešiak aus Polen; Adam Šušolka aus Turzovka; Pivovarčík aus Jablonka; Zupica aus Ostravice, Kovalčík aus Čeladná, Holúbek und Valičiak, alle aus Mähren; dazu ein gewisser Tálik.3
Die Herkunftsorte erzählen eine eigene Geschichte: Ein Großteil stammte aus der Kysuce, dem Grenzland zu Schlesien und Polen, dazu kamen Männer von jenseits der Grenzen. Der Historiker Ivan Mrva betont, dass gerade die Kysuce einen großen Teil von Jánošíks Bande stellte.1 Satora, Mlynarčík, Bartek und Ondráš aus Dlhá waren zur Zeit des Prozesses bereits in Cieszyn (Teschen) hingerichtet worden.3
Die Überfälle: was die Akten nennen
Die folgende Tabelle fasst die Taten zusammen, die in den Akten mit Ort oder Datum greifbar sind. „Akten“ bedeutet: im Prozessprotokoll oder Verhör genannt, überliefert über die Editionen von Melicherčík und Hlavienka; die Liptauer Fälle sind zusätzlich bei Nemec (2014) geprüft.13
| Datum | Ort | Opfer | Beute | Status |
|---|---|---|---|---|
| um 29. 9. 1711 | Mähren | unbekannt | Leinwand | Akten3 |
| 5. 10. 1711 | bei Strečno/Žilina | Kaufmann Ján Šipoš, Žilina | Tuch, Leinen; Erlös, 70 Gulden an Stoliga verliehen | Akten38 |
| Nov. 1711 | bei Vsetín (Mähren) | Kaufleute | nicht angegeben | unbestätigt9 |
| 10. 5. 1712 | unterhalb Strečno | erneut Ján Šipoš | Gürtel, 4 Gulden | Akten310 |
| 1711/12 | unterhalb Strečno, auf der Waag | ein Priester auf einem Floß | Pelzjacke (mentieka) | Akten3 |
| 1711/12 | unterhalb Strečno | Bürger aus Žilina | Pferde, Ausrüstung | Akten3 |
| 1711/12 | nicht genau angegeben | Goldschmied Ján Skalka, Žilina | 7 Ringe, Silberlöffel, ein Pallasch | Akten3 |
| 1712 | Sokol unterhalb Kraľovany, auf der Waag | Frau des evangelischen Pfarrers von Liptovský Ján | Geld, Kleidung | Akten13 |
| 1712 | Žiar-Gebirge (Turiec) | Edelmann Pavol Révay | wertvolle Gewehre, Säbel in Silberscheide | Akten3 |
| 1712 | Žaškov | Frau Kaforka | laut Anklage 200 Silbergulden, laut Jánošík ein Reichstaler | Akten, umstritten3 |
| 1712 | Malatiná-Tal | Orawaer Edelmann Zmeškal | nicht einzeln überliefert | unter Folter gestanden13 |
| 1712 | zwischen Východná und Važec | Weinhändler | Wein | Akten13 |
| nach 29. 9. 1712 | Kremnitzer Berge | Edelmann Ján Radvanský | nicht einzeln überliefert | Akten3 |
| Herbst 1712 | Garajov potok zwischen Východná und Važec | Witwe (oder Frau) des Offiziers von Schardon | Schmuck, ein Gewehr, Perücken | unter Folter gestanden13 |
Unter der Burg Strečno
Der Schwerpunkt des ersten Jahres lag am Durchbruch der Waag unterhalb der Burg Strečno, nicht weit von Terchová. Hier traf es mehrfach Leute aus Žilina: Bürger, denen Pferde und Ausrüstung abgenommen wurden, einen Priester auf einem Floß, dem Jánošík seine Pelzjacke nahm, und am 10. Mai 1712 erneut den Kaufmann Šipoš. Diesmal betrug die Beute einen Gürtel und 4 Gulden.310
Auch der Žilinaer Goldschmied Ján Skalka gehörte zu den Opfern: sieben Ringe, silberne Löffel und ein Pallasch, also ein schweres Reiterschwert. Wie Šipoš wurde Skalka 1713 im Prozess mit Jánošík konfrontiert.3 Die Ringe tauchen in den Akten noch einmal auf – Jánošík verschenkte sie an Mädchen in Terchová.38
Ostern in Krásno, Sommer in den Bergen
Zu Ostern 1712, am 27. März, zechte die Bande beim Wirt Hvezdák in Krásno nad Kysucou.3 Das Dorf war ein Stützpunkt: Die Brüder Juraj und Jakub Šutka lieferten der Bande dort Lebensmittel und Schießpulver und gaben ihr Unterschlupf.3
Im Lauf des Jahres 1712 weitete sich der Radius. Bei Sokol unterhalb von Kraľovany beraubte die Bande auf einem Floß die Frau des evangelischen Pfarrers von Liptovský Ján – vermutlich Andrej Brosík – um Geld und Kleidung.13 Im Žiar-Gebirge im Turiec traf es den Edelmann Pavol Révay aus Turčianska Štiavnička, dem wertvolle Gewehre und ein Säbel in silberner Scheide abhandenkamen.3 In Žaškov an der Orava wurde eine Frau Kaforka überfallen. Hier zeigt sich, wie weit Anklage und Geständnis auseinanderliegen konnten: Die Anklage sprach von 200 Silbergulden, Jánošík gab einen einzigen Reichstaler zu.3

Liptau: Almhütten, Weinhändler und eine Offizierswitwe
In Liptau zog die Bande von Almhütte zu Almhütte. Jánošík nannte die salaše von Revúce, Likavka, Bobrovec, Poruba, Hybe und Važec und sagte aus, man habe an jeder ein oder mehrere Schafe geschlachtet.1 Zwischen Važec und Štrba bzw. Východná überfiel die Bande Weinhändler.13 Im Malatiná-Tal zwischen Malatiná und Liptovská Anna traf es den Orawaer Edelmann Zmeškal; sein Vorname ist in der Literatur unsicher, er wird teils Václav, teils Ladislav genannt.13
Den folgenreichsten Überfall beging die Bande im Herbst 1712 am Garajov potok zwischen Východná und Važec: Opfer war die Witwe – nach anderer Lesart die Ehefrau – des kaiserlichen Offiziers von Schardon, in den Akten „Schardonka“. Erbeutet wurden Schmuck, ein Gewehr und Perücken.13 Weil das Komitat Liptau der Dame den Schaden ersetzen musste, hatte es fortan ein handfestes Interesse daran, den Täter zu fassen.3 Sowohl diesen Raub als auch den an Zmeškal gab Jánošík erst unter der Folter zu.3

Kremnitzer Berge und ein Totenbegräbnis
Ende September 1712 starb General Štefan Petróczy. Auf dem Weg zu seinem Begräbnis wurde der Edelmann Ján Radvanský aus Radvaň in den Kremnitzer Bergen überfallen; zuvor hatte die Bande einen Postknecht angehalten.3 Hinzu kommt eine Tat ganz anderer Art: Am Galgen von Žilina nahmen die Räuber heimlich den hingerichteten Räuber Mikuláš Šustek vom Rad und begruben ihn.3
Die Tat von Domaniža
Der schwerste Vorwurf betraf keinen Raub. Im September 1712 wurde Juraj Vrtík, seit 1694 Pfarrer von Domaniža und gebürtig aus Zliechov, im Gebiet Suchá auf dem Rückweg von Frivald (heute Rajecká Lesná) nach Domaniža angeschossen.45 Er starb Wochen später an der Verwundung. Das Sterbebuch von Domaniža vermerkt zum Begräbnis am 5. Oktober 1712 lapidar: „a duobus praedonibus traiectus est“ – „er wurde von zwei Räubern durchschossen“.4
Vor Gericht schilderte Jánošík den Vorfall auf die 13. Frage des Komitats Trenčín so: „Dva tovarišia Plavčík z Dunajova a Turiak predpsaní strelili naňho a on v ten čas vodu pil na studni, a že od toho pátera nič nevzali a že ho Huncaga postrelil.“ – „Zwei Gefährten, Plavčík aus Dunajov und der vorgenannte Turiak, schossen auf ihn, und er trank zu der Zeit Wasser am Brunnen; vom Pater nahmen sie nichts, und Huncaga hat ihn angeschossen.“34 Ob mit „er trank Wasser“ Jánošík oder der Pfarrer gemeint ist, lässt der Satz offen.
Umstritten Datum und Rolle sind umstritten. Den Überfall datiert die örtliche Literatur auf den 4. September 1712, das Necrologium der Diözese Nitra auf den 8. September; als Todestag gilt der 2. Oktober, eine Stelle nennt den 1. Oktober.45 Das Urteil wirft Jánošík nicht vor, selbst geschossen zu haben: Seine Gefährten hätten den Pfarrer „kde on též bol prítomný“ – „wo auch er anwesend war“ – erschossen. Sein Verteidiger hielt dagegen, er habe niemanden getötet oder verwundet.3
Wie viel war die Beute wert?
Die Listen klingen nach viel, die Werte nach wenig. Tuch, Leinen, ein Gürtel, vier Gulden, ein Reichstaler, Ringe, Löffel, Waffen, Perücken, Schafe und Käse: Die Historikerin Diana Duchoňová vom Historischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften fasst zusammen, Jánošík habe „predovšetkým veci osobnej potreby“ geraubt – vor allem Dinge für den persönlichen Bedarf.8
Wechselkurse zwischen Gulden, Talern und Dukaten jener Zeit lassen sich aus den geprüften Quellen nicht verlässlich angeben. Einige belegte Beträge helfen aber, die Größenordnung einzuschätzen:
| Betrag | Zusammenhang | Quelle |
|---|---|---|
| 1 Gulden je Haushalt und Jahr | „Rauchsteuer“ nach dem Gesetz von 1514 | 13 |
| 4 Gulden je Bauernstelle und Jahr | Ablöse für 52 Tage Robot auf Esterházy-Gütern, 1711/12 | 13 |
| 4 Gulden | Bargeld beim zweiten Raub an Šipoš, 10. Mai 1712 | 3 |
| 40 Goldgulden | gesetzlicher „Preis“ (homagium) eines Bauern; eines Adligen: 200 | 1 |
| 70 Gulden | aus dem Verkauf der Šipoš-Ware an Stoliga verliehen, 1711 | 38 |
| 200 Silbergulden | Forderung der Anklage im Fall Kaforka (Jánošík gab einen Taler zu) | 3 |
Vier Gulden entsprachen also etwa dem, womit ein Bauer auf einem großen Gut ein ganzes Jahr Frondienst ablösen konnte – für einen einzelnen Überfall nicht nichts, aber kein Vermögen. Die einzige Summe in der Größe eines Bauernvermögens, die 200 Gulden der Frau Kaforka, ist gerade die, die Jánošík bestritt.313
Legende Dass Jánošík den Reichen nahm und den Armen gab, belegt keine Primärquelle. Das einzige dokumentierte „Verschenken“ sind die Ringe an Mädchen in Terchová; Uhorčík sagte zudem aus, Jánošík habe Leuten in Klenovec acht bzw. zehn Goldstücke gegeben oder geliehen.3811 Das Bild des Wohltäters entstand später in Volkslied und romantischer Literatur.1
Tatgebiet: von Mähren bis in die Tatra
Die Anklageschrift zählt die Komitate auf, in denen Jánošík geraubt habe: „v Trenčianskej, Nitrianskej, Turčianskej, Liptovskej, Oravskej stolici aj v Sliezsku“ – in Trenčín, Nitra, Turiec, Liptau und Orava „und in anderen“, sogar in Schlesien.13 Hinzu kommen nach den Akten Malohont, wo Uhorčík lebte, Mähren und das polnische Grenzgebiet.3 Das klingt nach einem riesigen Raum, doch die datierten Taten bündeln sich an zwei Achsen: am Waagtal zwischen Žilina und Kraľovany und an der Straße durch das obere Liptau zwischen Východná und Važec.
Helfer in Terchová
Ohne Rückhalt in den Dörfern hätte keine Bande überlebt. Hirten und Wirte gaben Essen und Obdach, kauften Pulver und warnten vor den Haiducken der Komitate.1 Die Akten nennen für Jánošík neben den Šutka-Brüdern und dem Wirt in Krásno auch eine Wirtin und den Müller in Terchová.3
Wie die Obrigkeit das sah, zeigt ein Dokument, das nicht aus dem Prozess stammt: Am 17. August 1712 hielt das Herrschaftsgericht in Teplička nad Váhom, Sitz der Herrschaft Strečno, fest, dass Bewohner von Terchová Räuber mit Essen und Unterkunft versorgt hatten. Das Protokoll liegt im Archiv der Familie Illésházy im Staatsarchiv Bytča.1 Für Jánošíks Familie blieb das nicht folgenlos: Sein Bruder Ján wurde am 18. Dezember 1713 vom selben Gericht wegen Hilfe für den Bruder zum Tod durch den Strang verurteilt.1
Erste Verhaftung in Hrachovo
Im Herbst 1712 besuchte Jánošík Uhorčík alias „Mravec“ in Klenovec. Nach einem Raub an Kaufleuten aus Banská Bystrica im Komitat Malohont wurden beide dort festgenommen und im Kastell von Hrachovo, dem Verhandlungsort des Komitats, festgehalten.36 Das Datum wird meist mit dem 26. Oktober 1712 angegeben; die Gemeinde Klenovec spricht allgemein vom Oktober 1712.711
Die beiden konnten nachweisen, an diesem Raub nicht beteiligt gewesen zu sein, und kamen frei – unterstützt durch den Malohonter Vizegespan Pavol Láni. Den „Herren vom Komitat“ dankten sie mit Fuchspelzen und Käse.3614 Der Historiker Miroslav Nemec merkt an, dass damals sogar Leumundsschreiben „für die Unschuld von Uhorčík und Jánošík“ ausgestellt wurden – ein Hinweis darauf, wie wenig solche Zeugnisse wert waren.1
Legende In Volkserzählungen und manchen Nachschlagewerken heißt es, Jánošík sei aus Hrachovo geflohen. Die Akten sprechen von einer Freilassung.3
Das Ende
Die Freiheit währte nur Monate. Wieder in Klenovec, im Haus Uhorčíks, wurde Jánošík von Liptauer Komitatshaiducken festgenommen.27 Wann genau, ist offen.
Umstritten Der Historiker Miroslav Nemec datiert die zweite Verhaftung „um die Jahreswende 1712/1713“; die Gemeinde Klenovec und Diana Duchoňová nennen Anfang März 1713.27812 Schon I. Houdek stellte 1929 fest, dass die Gerichtsakten darüber schweigen: „Ako a kde sa to stalo, o tom niet v súdnych spisoch ani zmienky“ – „Wie und wo das geschah, darüber gibt es in den Gerichtsakten nicht einmal eine Erwähnung.“1
Am 16. und 17. März 1713 stand Jánošík in Svätý Mikuláš, dem heutigen Liptovský Mikuláš (dt. Liptau-Sankt-Nikolaus), vor dem Komitatsgericht. Unter der Folter gab er die Überfälle auf Schardon und Zmeškal zu und nannte als Versteck der Beute eine Buche neben einer Tanne „mit einer eingeschnittenen Hand“ am Weg von Jablonka nach Klenovec.3 Außerdem behauptete er, Uhorčík sei in den Kremnitzer Bergen gestorben – was „Mravec“ schützte, der in derselben Haft saß.3 Das Urteil lautete auf den Haken.23 Die Räuberjahre waren vorbei, nach kaum anderthalb Jahren.
Häufige Fragen
Wie lange war Jánošík Räuber?
Rund anderthalb Jahre. Den Räubereid legte er um Michaeli (29. September) 1711 ab, verhaftet wurde er um die Jahreswende 1712/1713 oder Anfang März 1713. Das Urteil spricht von zwei, die Anklage von drei Jahren.23
Wann wurde Jánošík Räuberhauptmann?
Noch vor dem Winter 1711. Tomáš Uhorčík heiratete und ließ sich als „Martin Mravec“ in Klenovec nieder; Jánošík übernahm die Bande. Das Urteil nennt ihn „vúdcem aneb hajtmanem“, Anführer oder Hauptmann.23
Wen hat Jánošík überfallen?
Laut Akten vor allem Kaufleute, Adlige und Reisende: den Žilinaer Kaufmann Ján Šipoš (zweimal), den Goldschmied Ján Skalka, die Edelleute Révay, Radvanský und Zmeškal, eine Pfarrersfrau auf einem Floß und die Witwe des Offiziers von Schardon. Dazu kamen Schafe und Lebensmittel von Almhütten.13
Hat Jánošík den Pfarrer von Domaniža getötet?
Nach seiner Aussage schossen seine Gefährten Plavčík und Turiak „Huncaga“ auf Pfarrer Juraj Vrtík, der im Herbst 1712 an der Verwundung starb. Das Gericht warf Jánošík nicht vor, selbst geschossen zu haben, hielt ihn aber für mitschuldig, weil er dabei war.34
Quellen
- Zbojníctvo na Slovensku. Zborník z vedeckej konferencie, Liptovský Mikuláš 4. 11. 2013 (Uličný; Nemec; Floreková; Vítek) – Nemec, Miroslav – Vítek, Peter (eds.), Spolok Slovákov v Poľsku (2014) [sk]
- Bol Jánošík väznený v kaštieli Vranovo? – Nemec, Miroslav – Historický časopis 70/1, Historický ústav SAV (2022) [sk]
- Juraj Jánošík – Wikipédia (slovenská), podľa Melicherčíka, Hlavienku, Sroku a Antolovej (2026) [sk]
- Dvakrát Juraj – Šujanský, Rudolf – Farnosť Domaniža [sk]
- Vrtik, Juraj (databáza kňazov Nitrianskej diecézy) – Knihy dominikáni [sk]
- Všetkým známy a predsa nepoznaný príbeh Tomáša Uhorčíka – Liščák, Marián (Kysucké múzeum) – mojeKysuce.sk [sk]
- Historické osobnosti – Obec Klenovec [sk]
- Hrdina alebo zlodej? Jánošík lup chudobe nerozdával, tvrdia historici – noviny.sk (2018) [sk]
- Juraj Jánošík – Wikipedie (česká) (2026) [cs]
- Život Jánošíka – Obec Terchová / terchova-info [sk]
- Tomáš Uhorčík – Wikipédia (slovenská) (2026) [sk]
- Liptovský Mikuláš si pripomína 313. výročie rozsudku nad Jánošíkom – TASR / teraz.sk (2026) [sk]
- Land Reform and the Hungarian Peasantry c. 1700–1848 (PhD thesis) – Gray, Robert W. B. – University College London (2009) [en]
- Kokava nad Rimavicou: V rázovitej slovenskej obci kedysi slúžil Jánošík – rimava.sk [sk]
Transparenzhinweis (Art. 50 EU-KI-Verordnung): Recherche und Text entstanden mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells und wurden redaktionell anhand der genannten Quellen geprüft. Illustrationen sind KI-generiert und keine historischen Darstellungen.
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