Prozess und Hinrichtung 1713 – Jánošík vor dem Komitatsgericht Liptau
Zwei Tage im März 1713 entschieden über das Leben von Juraj Jánošík. Das Protokoll des Komitats Liptau ist erhalten – und erzählt eine nüchternere Geschichte als die Lieder.

Juraj Jánošík wurde am 16. und 17. März 1713 vor dem Gericht des Komitats Liptau in Svätý Mikuláš (heute Liptovský Mikuláš, dt. Liptau-Sankt-Nikolaus) verhört, gefoltert und verurteilt: Er sollte an einem Haken durch die linke Seite aufgehängt werden12. Wann und wo das Urteil vollstreckt wurde, ist nicht protokolliert – überliefert sind der 17. oder 18. März 1713 und der Richtplatz „Šibeničky“ östlich der Stadt346.
Kaum ein Abschnitt seines Lebens ist so gut belegt wie diese zwei Tage. Das Protokoll liegt bis heute im Staatsarchiv in Bytča, eine Abschrift des verlorenen Folterverhörs stammt aus der Feder des Dichters Janko Kráľ2. Gerade deshalb lohnt der genaue Blick: Die Akten zeigen keinen tanzenden Helden unter dem Galgen, sondern einen 25-jährigen Räuberhauptmann, der seinen Freund zu schützen versuchte, unter der Folter gestand und nach geltendem ungarischem Recht verurteilt wurde.
Die letzte Verhaftung in Klenovec
Wie Jánošík gefasst wurde, verraten die Gerichtsakten nicht. Der Historiker Ivan Houdek stellte schon 1929 nüchtern fest: „Ako a kde sa to stalo, o tom niet v súdnych spisoch ani zmienky, odkázaní sme v tom len na podanie“ – „Wie und wo das geschah, davon steht in den Gerichtsakten kein Wort; wir sind allein auf die Überlieferung angewiesen.“2
Die meiste Literatur verortet die Festnahme in Klenovec im damaligen Komitat Kleinhont (Malohont). Dort lebte Jánošíks früherer Hauptmann Tomáš Uhorčík unter dem falschen Namen „Martin Mravec“; Komitatshaiducken aus der Liptau holten den Räuber aus seinem Haus129. Die slowakische Wikipedia nennt, gestützt auf ältere Forschung, etwa 25 bis 30 Drabanten unter dem Edelmann Andreánsky; die Suche sei von der Liptau aus unter Emerich Kubínyi organisiert worden11. Der Ort heißt in Klenovec bis heute „Mravcov vŕšok“11.
Warum gerade die Liptau? Jánošík hatte im Herbst 1712 zwischen Východná und Važec die Frau – oder Witwe – eines kaiserlichen Offiziers namens von Schardon überfallen. Das Komitat musste sie entschädigen und hatte nun ein eigenes Interesse, den Täter zu fassen611.
Es war nicht die erste Festnahme. Schon im Herbst 1712 waren Jánošík und „Mravec“ in Klenovec verhaftet und im Kastell Hrachovo festgehalten worden, kamen aber nach Fürsprache des Kleinhonter Vizegespans Pavol Láni wieder frei – nicht durch Flucht, wie spätere Erzählungen behaupten911.
Umstritten Wann und wo wurde Jánošík zuletzt verhaftet? Miroslav Nemec datiert die Festnahme „um die Jahreswende 1712/1713“14. Die Gemeinde Klenovec und die Historikerin Diana Duchoňová nennen „Anfang März 1713“910. Klenovec als Ort ist in der Fachliteratur weitgehend Konsens; die Version, er sei in Valaská Dubová gefasst worden, geht auf Volksüberlieferung zurück2. Da die Akten schweigen, bleibt beides offen.
Haft: das Kastell in Palúdzka oder das Stadtgefängnis?
Wo saß Jánošík bis zum Prozess? In Liptovský Mikuláš erzählt man seit Langem, er sei im Kastell Vranovo in Palúdzka gefangen gehalten worden – jenem Herrenhaus, das damals dem späteren Vorsitzenden Richter Ladislav Okolicsányi gehörte611.
Der Historiker Miroslav Nemec vom Museum Janka Kráľa hat diese Überlieferung 2022 im Historický časopis geprüft. Sie geht auf eine Notiz des Dichters Samo Chalupka aus dem Jahr 1868 zurück – eine Familienerzählung, aufgeschrieben 155 Jahre nach den Ereignissen1.
Umstritten Vranovo oder Svätý Mikuláš? Nach Nemec ist eine Haft in Vranovo „unwahrscheinlich“: Das Komitat hielt seine Strafsitzungen bereits in Svätý Mikuláš ab, ein Stadtgefängnis ist dort seit dem späten 17. Jahrhundert belegt, und das Komitat nutzte es später für seine Häftlinge. Ganz ausschließen will er Vranovo nicht1. Die Stadt Liptovský Mikuláš erwähnt die Palúdzka-Tradition weiterhin6.
Das Gericht und sein Recht
Verhandelt wurde vor der Sedria, dem Strafgericht des Komitats Liptau, in Svätý Mikuláš. Auch Vertreter des Komitats Trenčín waren anwesend und stellten eigene Fragen – schließlich hatte die Bande viele ihrer Überfälle dort begangen, rund um Žilina und Strečno211.
Die Rollen waren klar verteilt111:
| Rolle | Person |
|---|---|
| Vorsitzender | Ladislav Okolicsányi, Vizegespan der Liptau (ab 1712, im Amt bis 1725) |
| Ankläger (fiscalis) | Alexander Čemický |
| Pflichtverteidiger | Baltazár Palugyay |
| Angeklagter | Juraj Jánošík („Georgius Janossik“, „Juro Janošak“) |
Die Anklageschrift beginnt lateinisch und nennt ihn „providum Georgium Janossik publicum praedonem seu malefactorem“ – den „umsichtigen Georgius Janossik, einen öffentlichen Räuber oder Übeltäter“2. Der slowakische Teil wirft ihm vor, er habe Gottes Gebote und die Verbote des Landesrechts verworfen, sei „zbojnyczkim wudczem“, also Räuberanführer, geworden, habe Kaufleute und andere Menschen beraubt, verwundet und ermordet und den Pfarrer so schwer verletzt, dass dieser sterben musste2. Dass das Protokoll Latein und Slowakisch mischt, war Absicht: Der Angeklagte sollte die Vorwürfe verstehen können2.
Als Rechtsgrundlage zitierte die Anklage ungarisches Recht: Artikel 13 von 1625, Artikel 26 von 1655 und das Tripartitum des Stephan Werbőczy (Teil I, Titel 15), dazu das fünfte und siebte Gebot2. Das Tripartitum ordnete für Diebe den Galgen und für Räuber Pfahl oder Rad an: „fures scilicet patibulo; praedones vero palo, vel rota, caeteri autem gladio“ – „Diebe nämlich an den Galgen, Räuber aber auf den Pfahl oder das Rad, die übrigen mit dem Schwert“2. Herangezogen wurde außerdem Kitonichs Prozesshandbuch Directio methodica processus iudiciarii11.
Belegt Keine „Carolina“. Gelegentlich liest man, Jánošík sei nach der Constitutio Criminalis Carolina verurteilt worden. Das ist falsch: Die Carolina (1530/1532) war das Strafgesetzbuch des Heiligen Römischen Reiches, und das Königreich Ungarn gehörte nicht zum Reich12. Das Protokoll selbst beruft sich auf ungarisches Recht2. Das Strafverfahren in Ungarn prägte daneben die habsburgische Praxis criminalis von 1656: 1687 in Trnava für Ungarn gedruckt, erhielt sie dort nie Gesetzeskraft, wirkte aber bis ins 19. Jahrhundert13.
Wie die Liptau mit Räubern verfuhr, zeigen andere Fälle: Dokumentiert sind Hängen, Hängen am Haken, Enthaupten mit dem Schwert und Rädern; danach konnte der Leichnam auf ein Rad geflochten und ausgestellt werden. Um 1700 forderte der Ankläger gegen einen gewissen Peter Štefančík den Haken oder die Vierteilung – das Urteil wurde auf Hängen gemildert2.
Erster Tag, 16. März 1713: Geständnis und Gegenüberstellung
Der Prozess begann mit einem freiwilligen Geständnis, in den Quellen Fassio Janossikiana genannt211. Zuerst kamen die 17 Fragen des Komitats Trenčín an die Reihe. Sie beantwortete Jánošík recht offen, und er wurde zwei Geschädigten gegenübergestellt: dem Žiliner Kaufmann Ján Šipoš, den die Bande im Oktober 1711 und im Mai 1712 ausgeraubt hatte, und dem Goldschmied Ján Skalka, ebenfalls aus Žilina, dem sie Ringe, Silberlöffel und einen Pallasch abgenommen hatte211.
Anders bei den 29 Fragen der Liptau. Auf 14 gab Jánošík überhaupt keine Antwort, auf 10 nur ausweichende211. Und er log, um einen Freund zu schützen: Uhorčík, behauptete er, sei im Kremnitzer Gebirge gestorben. In Wahrheit saß „Martin Mravec“ in derselben Haft – noch unerkannt11.
Der Ankläger Čemický verlangte den Tod durch Pfahl, Haken oder Rad, nach vorheriger Folter. Der Verteidiger Palugyay beantragte Freispruch11.
Zweiter Tag, 17. März 1713: die Folter
Am nächsten Tag entschied das Gericht: Weil Jánošík weder seine Helfer noch den Verbleib der Beute preisgegeben habe, sei er „ľahšiemu, potom i ťažšiemu mučeniu“ zu unterwerfen – „der leichteren, dann auch der schwereren Folter“11. Das peinliche Verhör in einem leichteren und einem schwereren Grad war im damaligen Strafverfahren üblich2.
Die Mittel der Folter schildern wir hier nicht. Festgehalten ist das Ergebnis: Jánošík beantwortete sieben Fragen. Er gab die Überfälle auf die Frau von Schardon und auf den Orawaer Edelmann Zmeškal zu und nannte ein Versteck – eine Buche bei einer Tanne „mit einer eingeschnittenen Hand“ auf dem Weg von Jablonka nach Klenovec11.
Der Verteidiger brachte nun zwei Gründe für Milde vor: Jánošík sei jung, und er habe niemanden getötet oder verwundet411.
Eine kleine Unschärfe bleibt: Der Archivar Peter Vítek datiert die Niederschrift des Folterverhörs auf den 16. März 1713, die meisten anderen Darstellungen auf den zweiten Prozesstag211.
Der Pfarrer von Domaniža
Schwer wog ein Fall, an dem Jánošík nicht selbst geschossen hatte. Im September 1712 – am 4. oder 8. – wurde Juraj Vrtík, Pfarrer von Domaniža, auf dem Rückweg von Frivald (heute Rajecká Lesná) angeschossen; er starb am 2. Oktober. Das Sterbebuch von Domaniža vermerkt: „a duobus praedonibus traiectus est“ – „von zwei Räubern durchschossen“5.
Jánošík sagte auf die 13. Frage aus Trenčín aus: „Dva tovarišia Plavčík z Dunajova a Turiak predpsaní strelili naňho a on v ten čas vodu pil na studni, a že od toho pátera nič nevzali a že ho Huncaga postrelil.“ – „Zwei Gefährten, Plavčík aus Dunajov und der genannte Turiak, schossen auf ihn, und er trank zu der Zeit Wasser am Brunnen; sie hätten dem Pater nichts genommen, und Huncaga habe ihn angeschossen.“511 Wer dabei Wasser trank – Jánošík oder der Pfarrer –, lässt der Satz offen11.
Das Gericht urteilte, seine Gefährten hätten den Pfarrer erschossen, „kde on též bol prítomný“ – „wobei auch er zugegen war“511. Einen eigenen Schuss legte es ihm nicht zur Last; seine Anwesenheit genügte dem Gericht, um ihn für mitschuldig zu halten.
Das Urteil im Wortlaut
Das Urteil ist im slowakischen Originalwortlaut des Protokolls überliefert11:
„Poneváč predepsaný Juro Janošak zavrhujúce prikázaní jak božské, tak též zákon krajinský predo dvema roky dal sa na zbojstvo a vúdcem aneb hajtmanem takovým se učinil … jeho tovariši, kde on též bol prítomný, pána pátera z Domaniže prestrelili a bezbožne zamordovali … Protož pro takové zlé účinky a prikázaním prestúpení má být na hák na levém boku prehnatý a tak na príklad jinších takových zločincov má být zavesený.“
Auf Deutsch: „Da der vorgenannte Juro Janošak, sowohl die göttlichen Gebote als auch das Landesrecht verwerfend, sich vor zwei Jahren dem Räuberleben ergeben und sich zum Anführer oder Hauptmann eines solchen gemacht hat … seine Gefährten, wobei auch er zugegen war, den hochwürdigen Pater von Domaniža erschossen und gottlos ermordet haben … soll er daher für solche bösen Taten und Übertretungen der Gebote an der linken Seite auf einen Haken getrieben und so, anderen solchen Verbrechern zum Beispiel, aufgehängt werden.“11
Bemerkenswert sind zwei Details. Das Urteil spricht von zwei Jahren Räuberleben, die Anklage von drei11. Und es nennt den Zweck ausdrücklich: Abschreckung, „na príklad jinších“. Der Haken stand nicht im Tripartitum, gehörte aber zu den in der Liptau praktizierten Strafen2.
Die Hinrichtung: was wir wissen und was nicht
Ein Protokoll der Hinrichtung ist nicht bekannt211. Damit beginnt das Feld der Vermutungen.
Umstritten Tag, Ort und Art der Hinrichtung. Die Stadt Liptovský Mikuláš nennt den 17. März6, die Regionalbibliothek Žilina und die Gemeinde Klenovec den 18. März 171339. Miroslav Nemec vom Museum Janka Kráľa sagte 2026: „Nevieme presne kedy, ale v nasledujúcich dňoch bol vykonaný aj ten samotný rozsudok“ – „Wir wissen nicht genau wann, aber in den folgenden Tagen wurde auch das Urteil selbst vollstreckt.“4 Als Ort gilt traditionell Šibeničky östlich der Stadt zwischen Okoličné und Vrbica – auf dieser Ostseite verorten schriftliche Quellen die damalige Richtstätte der Stadt; Ivan Houdek dachte dagegen an die Mautstelle an der Waag bei der Brücke nach Palúdzka26. Ob das Urteil tatsächlich mit dem Haken vollstreckt wurde oder als einfaches Hängen, ist ebenfalls nicht dokumentiert11.
Den Henker holte man vermutlich aus Levoča, Banská Bystrica oder Žilina – auch das ist eine Annahme11. Wo Jánošík begraben wurde, weiß niemand. Die Überlieferung vom „Kuruzzenfriedhof“ in Čemice lässt sich nicht prüfen, denn das Sterbebuch beginnt erst 17152. Heute erinnert an der Straße 1. mája eine Gedenkstätte mit nachgebautem Galgen an den Ort7.

Uhorčík, Hatala, Mikulčík und Bruder Ján
Jánošíks Lüge vom toten Uhorčík hielt nicht lange. „Martin Mravec“ wurde enttarnt und vom selben Liptauer Gericht verurteilt; sein Verfahren steht im selben Protokollband auf den Seiten 568–573 und 577–5782. Nach dem Historiker Marián Liščák vom Kysuce-Museum begann das Verfahren am 19. April, am 21. April 1713 wurde Uhorčík gerädert8. Überliefert ist das Rädern „vom Hals her“, also die Form, die rascher zum Tod führte12.
Auch Helfer traf es. Das Herrschaftsgericht in Teplička nad Váhom verhandelte am 24. Mai 1713 gegen Martin Hatala alias Bartoviech aus Klenovec und Ján Mikulčík aus Polen; beide wurden nach der Folter enthauptet, weil sie mit Jánošík und Uhorčík Umgang gehabt hatten2. Am 18. Dezember 1713 verurteilte dasselbe Gericht Jánošíks jüngeren Bruder Ján zum Tod durch den Strang – wegen der Hilfe für seinen Bruder2.
Wo die Akten liegen – und was verloren ging
Ein verbreiteter Irrtum besagt, die Originalakten des Prozesses seien im 19. Jahrhundert verloren gegangen. Der Archivar Peter Vítek hat das richtiggestellt2:
- Erhalten ist das Protokoll der Liptauer Komitatskongregation 1710–1717 (Protocollum I. Comitatus Liptoviensis), Abschnitt Series causarum criminalium, Fall Nr. 17, Seiten 563–567, heute im Staatsarchiv Žilina mit Sitz in Bytča (Fonds Liptauer Gespanschaft I., Inv.-Nr. 21). Es enthält Anklage, Auszug der Verteidigung, Erwiderung des Anklägers, Gerichtsbeschluss, die unter der Folter gestandenen Taten und das Urteil.
- Erhalten sind auch die Fragen des Komitats Trenčín samt dem Geständnis nach der Gegenüberstellung mit Šipoš und Skalka (Fonds Komitat Trenčín, Iudicialia miscellanea).
- Verloren ist das Original des Verhörs mit den 29 Liptauer Fragen und dem Folterverhör. Es verschwand im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts aus dem Liptauer Archiv. Überliefert ist es durch eine Abschrift des Dichters Janko Kráľ, die Gašpar Fejérpataky-Belopotocký am 15. September 1844 kollationierte und unterschrieb; sie liegt heute im Slowakischen Nationalmuseum in Martin.
Eine vollständige Transkription erschien 1986 im Jubiläumsband des Literaturmuseums Janko Kráľ2.

In welchem Haus tagte das Gericht?
1712 kaufte das Komitat das Haus der Familie Hanzely in Svätý Mikuláš, baute es um und nutzte es ab 1713 als erstes Komitatshaus. Heute beherbergt es das Museum Janka Kráľa am Námestie osloboditeľov1. Die Stadt präsentiert dort einen Gerichtssaal und eine „Jánošík-Folterkammer“ und bezeichnet das Gebäude als wahrscheinlichen Prozessort7.
Ganz sicher ist das nicht. Houdek (1936) und der Historiker Uličný (2010) hielten neben dem alten Hanzely-Haus auch die benachbarte Pongrác-Kurie für möglich12.
Woher die Galgenlegenden kommen
Kaum ein Bild ist so fest mit Jánošík verbunden wie sein letzter Auftritt am Galgen. Bemerkenswert ist: Der Haken ist der einzige Teil davon, der in den Akten steht2.
Legende Der Tanz unter dem Galgen. Im Volkslied raucht Jánošík auf dem Weg zum Galgen drei Pfund Tabak, tanzt mehrmals um den Galgen und schlägt eine Begnadigung mit den Worten aus: „Keď ste si ma upiekli, tak si ma aj zjedzte!“ – „Wenn ihr mich schon gebraten habt, dann esst mich auch!“ Diese Verse sind in Anthologien der Volksdichtung (1958, 1988) gesammelt2. Im Film von Martin Frič (1935) tanzt er einen letzten Tanz und springt selbst auf den Haken; die „zu spät eintreffende Begnadigung“ ist ein Motiv der Literatur, etwa bei Jiří Mahen (1910)14. Keines dieser Motive hat eine Grundlage in den Akten.
Die Legende hat einen nachvollziehbaren Kern: Der Haken bedeutete einen langsamen Tod, und das Urteil wollte ausdrücklich ein Exempel statuieren11. Volksdichtung und Romantik machten aus dem Exempel ein Zeichen von Trotz. Das ist Kulturerbe – aber keine Quelle für das, was im März 1713 tatsächlich geschah.
Ebenso wenig stützen die Akten das Bild vom Räuber, der den Armen gab: Gestohlen wurden Tuch, Leinwand, Ringe, Waffen, Perücken und kleine Geldbeträge, und keine Quelle belegt eine Verteilung an Arme10.
Häufige Fragen
Wann wurde Jánošík hingerichtet?
Das genaue Datum ist nicht überliefert. Das Urteil fiel am 17. März 1713; die Hinrichtung wird auf den 17. oder 18. März 1713 datiert. Ein Protokoll der Vollstreckung ist nicht bekannt.346
Wo fand der Prozess gegen Jánošík statt?
Vor dem Komitatsgericht Liptau in Svätý Mikuláš, dem heutigen Liptovský Mikuláš. Als Gebäude gilt meist das erste Komitatshaus, das heutige Museum Janka Kráľa; manche Historiker halten auch die benachbarte Pongrác-Kurie für möglich.17
Wie lautete das Urteil gegen Jánošík?
Er sollte „am Haken an der linken Seite“ durchbohrt und „anderen Verbrechern zum Beispiel“ aufgehängt werden. Begründet wurde das mit Raub als Bandenhauptmann und seiner Anwesenheit beim tödlichen Überfall auf den Pfarrer von Domaniža.11
Wurde Jánošík gefoltert?
Ja. Nach dem Protokoll ordnete das Gericht „leichtere, dann auch schwerere Folter“ an, weil er Helfer und Verstecke verschwieg. Unter der Folter beantwortete er sieben Fragen und gestand weitere Überfälle.11
Wurde Jánošík wirklich am Haken aufgehängt?
So lautete das Urteil. Ob es genau in dieser Form vollstreckt wurde, ist nicht dokumentiert, weil kein Hinrichtungsprotokoll erhalten ist. Der Tanz unter dem Galgen und der Sprung auf den Haken sind Legende.21114
Sind die Prozessakten erhalten?
Ja, teilweise. Das Protokoll mit Anklage und Urteil liegt im Staatsarchiv in Bytča (S. 563–567). Verloren ist das Original des Folterverhörs; es ist durch eine Abschrift von Janko Kráľ aus dem Jahr 1844 überliefert.2
Quellen
- Bol Jánošík väznený v kaštieli Vranovo? – Miroslav Nemec, Historický časopis 70 (2022), č. 1, Historický ústav SAV (2022) [sk]
- Zbojníctvo na Slovensku. Zborník z vedeckej konferencie, Liptovský Mikuláš 4. 11. 2013 – Miroslav Nemec, Peter Vítek (eds.), Spolok Slovákov v Poľsku (2014) [sk]
- Juraj Jánošík 1688–1713. Výberová personálna bibliografia – Krajská knižnica v Žiline (2018) [sk]
- Liptovský Mikuláš si pripomína 313. výročie rozsudku nad Jánošíkom – TASR / teraz.sk (2026) [sk]
- Dvakrát Juraj – Rudolf Šujanský, Farnosť Domaniža [sk]
- Legenda Jánošík – Mesto Liptovský Mikuláš [sk]
- Jánošíkova mučiareň a súdna sieň – Mesto Liptovský Mikuláš [sk]
- Všetkým známy a predsa nepoznaný príbeh Tomáša Uhorčíka – Marián Liščák (Kysucké múzeum), mojeKysuce.sk [sk]
- Historické osobnosti – Obec Klenovec [sk]
- Hrdina alebo zlodej? Jánošík lup chudobe nerozdával, tvrdia historici – noviny.sk (2018) [sk]
- Juraj Jánošík – Wikipédia (slovenská) (2026) [sk]
- Constitutio Criminalis Carolina – Wikipedia (English) (2026) [en]
- Praxis criminalis – Kislexikon [hu]
- Jánošíkovská legenda na Slovensku – Jana Hrajnohová, Bakalářská práce, Univerzita Karlova (2010) [cs]
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