Jánošík in Film, Literatur und Musik: vom Volkslied zur Leinwand
Seit 1785 wird der Räuberhauptmann aus Terchová gedruckt, gedichtet, verfilmt und vertont. Ein Gang durch 240 Jahre Rezeption – vom Zeitungsblatt bis zum Kinoepos, vom Geldschein bis zur Parodie.

Juraj Jánošík (1688–1713) ist vor allem durch die Kunst berühmt geworden: Die älteste bekannte gedruckte Erwähnung ist eine Anekdote von 1785, Ján Bottos Romanze Smrť Jánošíkova (1862) machte ihn zum Symbol nationaler Freiheit, und seit dem ersten slowakischen Spielfilm von 1921 ist er ein Kinoheld. Jede Epoche hat dabei ein anderes Bild gezeichnet – vom verdammten Sünder über den Freiheitskämpfer bis zum „Helden des antifeudalen Kampfes“.126
Die Akten über den historischen Mann sind knapp. Das Komitatsgericht von Liptau verhandelte am 16. und 17. März 1713 in Liptovský Mikuláš (dt. Liptau-Sankt-Nikolaus) gegen ihn und verurteilte ihn dazu, an einem eisernen Haken durch die Rippen aufgehängt zu werden.3 Alles andere – das Zauberhemd, der Gürtel, die Erbsen unter den Füßen, der Tanz unter dem Galgen, die Beute für die Armen – haben Volkslied, Dichtung und später Film und Bühne hinzugefügt. Dieser Artikel verfolgt, wie das geschah.
Vom Zeitungsblatt zum Bänkellied: die Anfänge
Die Legende wuchs in Schichten. Räuberlieder über Jánošík wurden vermutlich schon in der ersten Hälfte oder Mitte des 18. Jahrhunderts gesungen; die Encyclopaedia Beliana der Slowakischen Akademie der Wissenschaften schreibt, die Tradition sei „relativ kurz nach seinem Tod“ entstanden.12 Der Literaturhistoriker Ján Vilikovský fand in der Tranoscius-Bibliothek in Liptovský Mikuláš eine Handschrift mit drei halbvolkstümlichen Bänkelliedern, darunter Píseň o Jánošíkovi, zbojníkovi. Er datierte sie auf etwa 1761–1778; andere Angaben nennen die 1780er- und 1790er-Jahre.23 Schon dieses Lied kennt zwei Motive, die bis heute im Kino überleben: den Verrat durch den engsten Freund und die alte Frau, die dem Räuber Erbsen unter die Füße streut.4
Gedruckt erschien Jánošík zum ersten Mal im Mai 1785. Die Zeitung Staré noviny literního umění in Banská Bystrica brachte die Anekdote Znamenitá kázeň jednoho kazatele za dnů hlavního zbojníka Jánošíka („Eine bemerkenswerte Predigt eines Predigers zur Zeit des Hauptmanns Jánošík“). Räuber überfallen darin einen Prediger in Liptau, und der Text zieht eine Parallele zu Christus und zum Verrat des Judas. Die Forschung schreibt ihn Augustín Doležal zu.23
Bohuslav Tablic druckte 1809 in Slovenští veršovci das Lied „Jánošík, loupežník liptovský“ und fügte etwas hinzu, das in keiner Gerichtsakte steht: Jánošík als Wohltäter armer Studenten. „Nuzným dobře činil, zvlášte pilným žakúm, / dával jim na šaty soukna…“ – „Den Bedürftigen tat er Gutes, besonders fleißigen Schülern, / er gab ihnen Tuch für Kleider…“2 Pavol Jozef Šafárik nannte ihn 1814 einen tapferen Räuber, der den Reichen nimmt und den Armen gibt.4 Und 1832–1833 veröffentlichte Gašpar Fejérpataky-Belopotocký in seinem Vlastenský kalendár die erste ausführliche Darstellung, die auf den Prozessakten beruhte.3
Nicht jeder Dichter feierte ihn. Ján Kollár versetzte Jánošík 1832 in den Sonetten 572–573 seines Zyklus Slávy dcera in die Hölle, wo er ewig zum Dudelsack tanzen muss – ein moralisierendes Gegenbild.4
Die Štúr-Generation: Jánošík als Freiheitssymbol
In den 1840er- bis 1860er-Jahren machten die romantischen Dichter um Ľudovít Štúr aus dem Räuber eine Gleichnisfigur für Freiheit und, nach 1848, für nationale Befreiung – mit messianischen Untertönen.14 Janko Kráľ schrieb zwischen 1844 und 1847 Gedichte, die Kritiker später unter dem Titel Výlomky z Jánošíka („Bruchstücke aus Jánošík“) zusammenfassten.14 Kráľ hatte zudem eine ganz handfeste Verbindung zum historischen Fall: Er half, das Prozessprotokoll abzuschreiben. Die Abschrift wurde am 15. September 1844 beglaubigt und liegt heute im Slowakischen Nationalmuseum in Martin; das Original ist verloren.3
Samo Chalupka schrieb 1846 „Jánošíkova naumka“, später als Likavský väzeň bekannt (die Beliana datiert diese Fassung auf 1860), und 1868 „Kráľohoľská“.14 Ján Botto begann im selben Jahr mit Pieseň Jánošíkova.4
Bottos Smrť Jánošíkova (1862)
Das Hauptwerk entstand zwischen 1848 und 1858 und erschien 1862 im Almanach Lipa: Ján Bottos Smrť Jánošíkova („Jánošíks Tod“), eine Romanze aus einer Einleitung und neun Gesängen, 1880 neu aufgelegt.14 Ihr Anfang ist wohl der bekannteste Vers über Jánošík:
„Horí, ohník, horí, na Kráľovej holi, / ktože ho navatril? Dvanásti sokoli.“ – „Es brennt ein Feuer auf der Kráľova hoľa, / wer hat es entfacht? Zwölf Falken.“4
Die zwölf Falken sind die zwölf Gesellen der Bande – eine Märchenzahl, keine historische Mitgliederliste. Botto greift auch das volkstümliche Motiv auf, dass Jánošíks Kraft im Gürtel sitzt und nur ein Hieb dorthin ihn besiegen kann.2
Jonáš Záborský brachte die Formel vom guten Räuber in seinem Drama Jánošíkova večera auf den Punkt: „Jánošíka, dobrého zbojníka, / ktorý panov lúpi, biednym dáva“ – „Jánošík, den guten Räuber, / der die Herren beraubt und den Armen gibt“.2
Prag, Zakopane, Chicago: Jánošík über die Grenzen hinaus
Im 19. Jahrhundert wanderte die Figur in die Nachbarliteraturen. Alois Jirásek nahm „O Janošíkovi“ 1894 in seine Staré pověsti české auf und schrieb, Jánošík werde wiederkommen, wenn es den Slowaken am schlechtesten gehe.4 Gustáv Maršall-Petrovský veröffentlichte im selben Jahr in den USA einen Roman über den „Kapitän der Bergburschen“, der später als Vorlage für den ersten Film diente.46
Den Weg auf die große Bühne ebnete Jiří Mahen. Seine Tragödie Jánošík in fünf Akten wurde 1910 am Nationaltheater in Prag mit Eduard Vojan in der Titelrolle uraufgeführt. Mahen führte das literarische Motiv der zu spät eintreffenden Begnadigung ein („milost přišla pozdě“); Martin Rázus übersetzte das Stück ins Slowakische, 1925 kam es in der Slowakei auf die Bühne.4 In Polen machte Kazimierz Przerwa-Tetmajer den Räuber in seinem Zyklus Legenda Tatr heimisch: Auf Maryna z Hrubego (1910) folgte Janosik Nędza Litmanowski (1911).5
Romane, Parodien, Entmythologisierung: das 20. und 21. Jahrhundert
Ján Hrušovský veröffentlichte seinen Roman Jánošík 1933–1934 zuerst in Fortsetzungen in der Zeitung.4 Mária Rázusová-Martáková schrieb mit Ján Marták ein Versdrama in fünf Akten, das 1941 uraufgeführt und 1943 gedruckt wurde; 1955 folgten ihre Rozprávky o Jánošíkovi für Kinder.14 Vlastimil Milota stützte seinen dokumentarischen Roman Ja musím byť zbojník (1964) auf die Gerichtsakten.4
Ab den 1970er-Jahren wurde der Ton ironisch. Ľubomír Feldeks satirisches Stück Jánošík podľa Vivaldiho („Jánošík nach Vivaldi“) hatte 1979 in Košice (dt. Kaschau) Premiere.14 Margita Figuli antwortete 1980 mit der Balada o Jurovi Jánošíkovi.4 Milan Ferko legte einen dreibändigen historischen Roman vor.34 Den bislang jüngsten großen Versuch unternahm Mariana Čengel Solčanská 2019 mit einem Roman, der den Mythos bewusst abträgt.3
| Jahr | Autor | Werk | Gattung |
|---|---|---|---|
| 1785 | anonym (zugeschr. Augustín Doležal) | Znamenitá kázeň jednoho kazatele… | Anekdote, älteste Druckerwähnung23 |
| 1809 | Bohuslav Tablic (Hg.) | „Jánošík, loupežník liptovský“ | Bänkellied2 |
| 1832 | Ján Kollár | Slávy dcera, Sonette 572–573 | Sonettzyklus, Gegenbild4 |
| 1844–47 | Janko Kráľ | Výlomky z Jánošíka | Gedichte14 |
| 1846 | Samo Chalupka | „Jánošíkova naumka“ (Likavský väzeň) | Gedicht14 |
| 1862 | Ján Botto | Smrť Jánošíkova | Romanze, Schlüsseltext14 |
| 1867 oder 1870 | Jonáš Záborský | Jánošíkova večera | Drama2 |
| 1894 | Alois Jirásek | „O Janošíkovi“ | tschechische Sage4 |
| 1910 | Jiří Mahen | Jánošík | Tragödie, Nationaltheater Prag4 |
| 1910/1911 | Kazimierz Przerwa-Tetmajer | Legenda Tatr | polnische Romane5 |
| 1933–34 | Ján Hrušovský | Jánošík | Roman4 |
| 1941/1943 | Mária Rázusová-Martáková | Jánošík | Versdrama14 |
| 1970 | Stanislav Štepka | Jááánošííík | Parodie4 |
| 1978 oder 1987 | Milan Ferko | Jánošík | Roman in drei Bänden34 |
| 1979 | Ľubomír Feldek | Jánošík podľa Vivaldiho | Satire14 |
| 2019 | Mariana Čengel Solčanská | Jánošík | entmythologisierender Roman3 |
Umstritten Mehrere Jahreszahlen der Jánošík-Literatur sind in den Quellen widersprüchlich. Záborskýs Jánošíkova večera wird auf 1867 oder 1870 datiert, Pavel Beblavýs Fortsetzungsroman Jánošík auf 1889 (Slovenské pohľady) oder 1910, Milan Ferkos Roman auf 1978 oder 1987 – möglicherweise Erst- und Neuausgabe. Wir nennen deshalb beide Angaben.234
Film und Fernsehen: Jánošík auf der Leinwand
1921: der erste slowakische Spielfilm
Der Film, der als erster slowakischer Spielfilm gilt, entstand mit amerikanischem Geld. Die Tatra Film Corporation slowakischer Auswanderer in Chicago finanzierte Jánošík mit rund 14.500 US-Dollar; Regie führte Jaroslav „Jerry“ Siakeľ, sein Bruder Daniel stand an der Kamera, Theodor Pištěk spielte die Titelrolle. Gedreht wurde bei Blatnica in der Veľká Fatra. Premieren: Prag am 25. November 1921, Chicago/Cicero am 1. Dezember 1921, Žilina (dt. Sillein) am 3. Januar 1922.16 Das Drehbuch stützte sich auf Maršall-Petrovskýs Roman und Mahens Drama.46
Belegt Der Stummfilm von 1921 galt lange als verloren. 1970 brachte der Produzent Ján Závodný eine fast vollständige Kopie aus Chicago mit und schenkte sie dem Slowakischen Filminstitut. Ivan Rumanovský rekonstruierte den Film 1975 und versah ihn mit Ton; die Musik schrieb Jozef Malovec.6
1935: Frič und Bielik
Der Film, der das Bild Jánošíks für Generationen prägte, kam aus Prag. Martin Frič drehte Jánošík für die Gesellschaft Lloyd nach Mahens Drama, am Drehbuch wirkten Karel Plicka und Karel Hašler mit. Die Titelrolle spielte der junge Paľo Bielik. Der Film lief 1936 auf dem 4. Filmfestival in Venedig und wurde in 32 Länder verkauft. Die Hinrichtungsszene entstand auf dem Hügel Oblaz über Terchová; der Aussichtsturm „Terchovské srdce“, der heute dort steht, erinnert in seiner Form an den Filmgalgen.7 Eine einzelne Quelle spricht von etwa zehn Millionen Zuschauern allein im Jahr 1936 – eine Zahl, die mit Vorsicht zu lesen ist.4
Umstritten Das Premierendatum von Fričs Jánošík ist umstritten. Die tschechische Wikipedia nennt den 17. Januar 1935; andere Angaben verweisen auf eine Galapremiere im Januar 1936, und die slowakische Post bezeichnete das Werk 1996 auf einer Briefmarke als Film von 1936. Sicher ist das Produktionsjahr 1935.716
Legende In Fričs Film tanzt Jánošík einen letzten Tanz und stürzt sich selbst auf den Haken.4 Das Bild hat sich in vielen Nacherzählungen festgesetzt, hat aber keine Grundlage in den Akten. Belegt ist nur das Urteil – Aufhängen an einem eisernen Haken durch die Rippen.3
1963: Bieliks Farbepos
Fast drei Jahrzehnte später führte Paľo Bielik selbst Regie. Zum 250. Todestag kam im August 1963 sein zweiteiliger Jánošík in Farbe und Breitwand in die Kinos, mit František Kuchta in der Titelrolle. Mit 8,7 Millionen Kčs war er der bis dahin teuerste slowakische Film, und rund 5 Millionen Zuschauer sahen ihn.8
1974: Janosik in Polen
In Polen wurde Jánošík zum Fernsehstar. Die 13-teilige Serie Janosik von Jerzy Passendorfer, gedreht 1972–1973, lief vom 26. Juli bis 18. Oktober 1974 im ersten Programm von TVP. Marek Perepeczko spielte die Hauptrolle, das Drehbuch schrieb Tadeusz Kwiatkowski, die Musik Jerzy Matuszkiewicz. Aus mehreren Folgen wurde bereits im April 1974 ein Kinofilm zusammengeschnitten.9
1976 bis 2009: Zeichentrick, Oper, „wahre Geschichte“
Viktor Kubal zeichnete Zbojník Jurko (1976) selbst – den ersten abendfüllenden slowakischen Zeichentrickfilm, 76 Minuten lang, ausgezeichnet unter anderem 1977 in Gottwaldov und 1982 in Bourg-en-Bresse.10 Auch hier fehlt die Erbsenszene nicht.4 1987 entstand ein Fernsehfilm von Cikkers Oper, 1991 die 28-teilige Zeichentrickserie Zbojník Jurošík.3
Das jüngste Großprojekt hatte eine lange Geschichte. Agnieszka Holland und ihre Tochter Kasia Adamik begannen eine polnisch-slowakisch-tschechisch-ungarische Koproduktion nach einem Drehbuch von Eva Borušovičová, mit Václav Jiráček als Jánošík. Im Dezember 2002 standen die Dreharbeiten aus Geldmangel still; erst im Juli 2008 ging es mit dem polnischen Fernsehen TVP weiter. Janosik. Prawdziwa historia / Jánošík – Pravdivá história hatte am 26. August 2009 in Nowy Sącz Premiere (140 Minuten); 2011 folgte eine vierteilige Fernsehfassung.11 Einen eigenen polnischen Spielfilm von 2002 gibt es nicht – 2002 ist nur das Jahr der Unterbrechung.
| Jahr | Titel | Land | Regie | Jánošík | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| 1921 | Jánošík | ČSR/USA | Jaroslav Siakeľ | Theodor Pištěk | 6 |
| 1935 | Jánošík | ČSR | Martin Frič | Paľo Bielik | 7 |
| 1963 | Jánošík I–II | ČSSR | Paľo Bielik | František Kuchta | 8 |
| 1974 | Janosik (TV-Serie, 13 Folgen) | Polen | Jerzy Passendorfer | Marek Perepeczko | 9 |
| 1976 | Zbojník Jurko (Zeichentrick) | ČSSR | Viktor Kubal | – | 10 |
| 1987 | Juro Jánošík (TV-Oper) | ČSSR | J. Zachar | Ľ. Paulovič | 3 |
| 1991 | Zbojník Jurošík (Zeichentrickserie) | ČSFR | Jaroslav Baran | – | 3 |
| 2009 | Janosik. Prawdziwa historia | PL/SK/CZ/HU | Agnieszka Holland, Kasia Adamik | Václav Jiráček | 11 |

Musik und Bühne
Am Anfang war das Lied. Die Volkstradition kennt lyrische Räuberlieder, Balladen, Romanzen und „romanhafte“ Lieder; der Held heißt darin oft Janko, Janík oder Janíčko.1 In Volksversen raucht Jánošík auf dem Weg zum Galgen drei Pfund Tabak, tanzt mehrmals um den Galgen und lehnt die Begnadigung mit dem Satz ab: „Keď ste si ma upiekli, tak si ma aj zjedzte!“ – „Wenn ihr mich schon gebraten habt, dann esst mich auch!“2
Die Kunstmusik folgte im 20. Jahrhundert. Ján Levoslav Bella schrieb 1922 eine Kantate, Alexander Moyzes 1934 ein Orchestervorspiel.1 Zwischen 1929 und 1934 komponierte der tschechische Komponist Karel Hába die Oper Jánošík auf ein Libretto von Antonín Klášterský; sie wird gelegentlich irrtümlich seinem Bruder Alois zugeschrieben.12
Die bedeutendste Oper stammt von Ján Cikker. Juro Jánošík auf ein Libretto von Štefan Hoza wurde ausdrücklich nach den Erwartungen des sozialistischen Realismus geformt; der Zensurrat für Theater und Dramaturgie billigte das Libretto am 5. März 1953. Uraufgeführt wurde die Oper am 10. November 1954 am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava.2 1987 wurde sie für das Fernsehen verfilmt.3
Ganz anders klingt Na skle maľované („Auf Glas gemalt“), ein Musical der polnischen Komponistin Katarzyna Gärtner nach einem Text von Ernest Bryll. Das polnische Original von 1970 erlebte fast 600 Vorstellungen. Am Slowakischen Nationaltheater hatte die slowakische Fassung am 19. Oktober 1974 Premiere, Regie führte Karol L. Zachar, Michal Dočolomanský spielte Jánošík. Bis zur Derniere 2004 kam sie auf 648 Vorstellungen (eine andere Zählung nennt 647).132 Eine propagandistische Wirkung hatte das Stück nach dem Urteil der Historiker kaum noch.2
Den respektlosesten Zugriff wagte Stanislav Štepka: Seine Parodie Jááánošííík brachte das Radošinské naivné divadlo 1970 auf die Bühne.4

Politik, Geld und Briefmarken
Jánošík war immer auch Fahne. In der Zwischenkriegszeit feierte Štefan Krčméry in seiner Jánošíkovská das Jahr 1918, während Martin Rázus in Zbojnícka die Republik in Jánošíks Namen kritisierte.4
Der Slowakische Staat (1939–1945) räumte ihm nur bescheidenen Platz ein, eher als Symbol der untersten Schichten denn der Nation; in Hrušovskýs Schulbuch von 1942 kommt er vor.2 Dennoch erschien im Juli 1941 der 500-Kronen-Schein mit Jánošík, auf der Rückseite die Hohe Tatra.14 Das Regimeblatt Náš boj nutzte sein Bild am 15. November 1944, um Männer in die Notbereitschaftseinheiten der Hlinka-Garde zu rufen.2 Zugleich beriefen sich die Gegner des Regimes auf ihn: Ab 1942 bildeten sich „Jánošík-Gruppen“, von Dezember 1943 bis Juli 1944 erschien die Untergrundzeitschrift Jánošík – časopis slovenského protifašistického frontu, und eine Partisanenbrigade trug seinen Namen.2
Nach 1945 deutete das kommunistische Regime ihn marxistisch um. Andrej Melicherčíks Jánošíkovská tradícia na Slovensku (1952) und Juraj Jánošík, hrdina protifeudálneho odboja slovenského ľudu (1956) lasen die Tradition als Klassenkampf; das Geschichtsschulbuch von 1954 nannte die Räuber „Rächer des geknechteten Volkes“.2 Ab den 1960er-Jahren verblasste die ideologische Aufladung.2
Die Philatelie folgte den Jahrestagen. 1963, zum 250. Todestag, erschien die erste sicher belegte Jánošík-Briefmarke der Tschechoslowakei, entworfen von Martin Benka; 1971 folgte „Jánošík a hôrni chlapci“ nach Karol Svolinský, 1986 eine polnische Marke in der Serie polnischer Legenden. Am 5. Mai 1996 gab die Slowakei zum hundertjährigen Jubiläum des Kinos eine Marke mit Szenen aus Fričs Film heraus.16 Zum 300. Geburtstag prägte die Münze Kremnica 1988 eine 50-Kčs-Silbermünze (Ag 500/1000, 7 g) nach einem Entwurf von Ján Kulich15
Warum jede Epoche ihren eigenen Jánošík erfindet
Gerade weil die gesicherten Fakten so dünn sind, bietet Jánošík eine fast leere Fläche: ein junger Mann aus Terchová, gut ein Jahr Räuberleben, ein zweitägiger Prozess, ein grausames Urteil.3 Alles Weitere konnte jede Zeit selbst einschreiben.
Für den Prediger von 1785 war er Kulisse einer Moralgeschichte, für Kollár ein Verdammter. Die Štúr-Generation sah in ihm die schlafende Kraft der Nation, Botto gab ihm die Verse, die bis heute zitiert werden.14 Der Slowakische Staat druckte ihn auf Geld, die Partisanen trugen seinen Namen in den Untergrund, die Kommunisten machten ihn zum Klassenkämpfer – drei unvereinbare Lesarten in weniger als zehn Jahren.214 Ab 1970 durfte man über ihn lachen, und der Film von 2009 versprach im Titel die „wahre Geschichte“, die Mariana Čengel Solčanská 2019 noch einmal gegen den Mythos zu erzählen versuchte.3411
Die Konstanten bleiben: der Gürtel, die Valaška, die zwölf Gesellen, der Tanz am Galgen, die Beute für die Armen. Sie stammen aus Märchen, Volkslied und romantischer Dichtung, nicht aus den Akten.24 Wer Jánošík in Film, Literatur und Musik begegnet, begegnet deshalb immer zwei Figuren zugleich – dem verurteilten Räuber von 1713 und dem Spiegel, den sich jede Generation selbst vorhält.
Häufige Fragen
Was ist das wichtigste literarische Werk über Jánošík?
Als Schlüsseltext gilt Ján Bottos Romanze Smrť Jánošíkova („Jánošíks Tod“), entstanden 1848–1858 und 1862 im Almanach Lipa veröffentlicht. Sie besteht aus einer Einleitung und neun Gesängen und machte Jánošík zum Symbol nationaler Freiheit.14
Wann wurde der erste Jánošík-Film gedreht?
1921. Jánošík der Brüder Siakeľ, finanziert von der Tatra Film Corporation in Chicago und bei Blatnica gedreht, gilt als erster slowakischer Spielfilm. Er hatte am 25. November 1921 in Prag Premiere.16
Wer hat Jánošík im Film gespielt?
Theodor Pištěk im Stummfilm von 1921, Paľo Bielik bei Martin Frič (1935), František Kuchta in Bieliks eigenem Film von 1963, Marek Perepeczko in der polnischen Fernsehserie von 1974 und Václav Jiráček bei Agnieszka Holland und Kasia Adamik (2009).678911
Gibt es eine Oper über Jánošík?
Ja, sogar mehrere. Karel Hába komponierte 1929–1934 die Oper Jánošík, Ján Cikkers Juro Jánošík wurde am 10. November 1954 am Slowakischen Nationaltheater uraufgeführt. Dazu kommt das Musical Na skle maľované, das von 1974 bis 2004 in Bratislava lief.12213
War Jánošík auf Geldscheinen oder Münzen abgebildet?
Ja. Der Slowakische Staat gab im Juli 1941 einen 500-Kronen-Schein mit Jánošík heraus. Die Tschechoslowakei prägte 1988 zu seinem 300. Geburtstag eine 50-Kčs-Silbermünze nach einem Entwurf von Ján Kulich.1415
Stammt der Tanz unter dem Galgen aus den Akten?
Nein. Der Tanz um den Galgen und der trotzige Satz „Keď ste si ma upiekli, tak si ma aj zjedzte!“ stammen aus Volksversen; Fričs Film von 1935 ließ Jánošík sich sogar selbst auf den Haken werfen. Belegt ist nur das Urteil, ihn an einem Haken durch die Rippen aufzuhängen.234
Quellen
- jánošíkovská tradícia – Encyclopaedia Beliana, Encyklopedický ústav SAV (2013) [sk]
- Zbojníctvo na Slovensku (zborník; o. i. P. Račko: Zbojníctvo v slovenskej umeleckej literatúre 18.–19. storočia; A. Hruboň – J. Krištofík: Medzi dobrým úmyslom a zneužitím. Jánošíkovská tradícia na Slovensku v rokoch 1938–1989) – M. Nemec – P. Vítek (eds.), Spolok Slovákov v Poľsku (2014) [sk]
- Juraj Jánošík – Wikipédia (sk) (2026) [sk]
- Jánošíkovská legenda na Slovensku (bakalářská práce) – Jana Hrajnohová, Univerzita Karlova (2010) [cs]
- Kazimierz Przerwa-Tetmajer. Piewca piękna Tatr – Urząd Miasta Zakopane [pl]
- Film Jánošík z roku 1921 patril medzi najpremietanejšie svetové diela – TASR / teraz.sk [sk]
- Jánošík (film, 1935) – Wikipedie (cs) (2026) [cs]
- Rok 1963: V Bratislave mal premiéru film Paľa Bielika Jánošík – vtedy.sk (TASR) [sk]
- Janosik (serial telewizyjny) – Wikipedia (pl) (2026) [pl]
- Zbojník Jurko – Wikipédia (sk) (2026) [sk]
- Janosik. Prawdziwa historia – Wikipedia (pl) (2026) [pl]
- Karel Hába – Wikipedie (cs) (2026) [cs]
- Muzikál Na skle maľované mal premiéru pred 40 rokmi – TASR / teraz.sk (2014) [sk]
- Koruna slovenská (1939–1945) – Wikipedie (cs), podle Bajer: Papírová platidla Československa (1999) (2026) [cs]
- 50 Kčs/1988 – Juraj Jánošík – 300. výročie narodenia – numizmatik.eu [sk]
- Juraj Jánošík – Alegória slovenského národa na poštových známkach – Infofila.cz [sk]
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